Albert Denz
Albert Denz. Foto: Viktoria Denz
Interview mit dem Gründer der Denz AG und von Officebase

Albert Denz

Ganze 50 Jahre Know-how hat Albert Denz in der Büroeinrichtungsbranche angesammelt. Sein Wissen gibt er gern weiter. Denn die Themen liegen Albert Denz am Herzen.

Interview Katharina Feuer

Sie haben jahrzehntelange Erfahrung in der Branche. Was denken Sie, vor welchen Herausforderungen und Chancen steht die Büromöbelbranche?

Albert Denz: Der Konkurrenzkampf wird mit den offenen Grenzen und Märkten immer härter. Jene Firmen, die mit Mut auf Innovationen setzen, können sich im Markt besser behaupten. Viele Unternehmen kopieren auf dem Markt erfolgreiche Produkte und heizen die Konkurrenz noch mehr an. Allzu vergleichbare Produkte erhöhen den Wettbewerb. Jene, die neue Kundenbedürfnisse abdecken, können ihre Margen besser verteidigen.

Für den Fachhandel wird es schwerer, sich durchzusetzen, sind doch viele Hersteller mit eigenen Filialen vertreten und deshalb bei ihren Konditionen beweglicher. Schweizer Hersteller haben mit dem starken Schweizer Franken zu kämpfen. Der Fachhandel kann nur überstehen, wenn er auf mehr Dienstleistung, Beratung und Persönlichkeit setzt. Er sollte nicht nur die Rolle des Verkäufers beherrschen, sondern hervorragend als Büroplaner ausgebildet sein, alle Aspekte der Büroplanung kennen und sich mit der digitalen Welt auseinandersetzen. Sonst überrennen Jungunternehmer den Fachhandel.

Kunden wollen Sicherheit, Flexibilität, eine Erarbeitung von Lösungen, die ihnen im Gesamtunternehmen helfen, rationaler oder ökonomischer zu arbeiten. Der Preis spielt deshalb nicht bei allen Kunden die Hauptrolle. Konzentration auf den eigenen USP ist gefragt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Arbeitens (im Office)?

Da gibt es sicherlich Unterschiede. In Kleinunternehmen mit ein bis fünf Arbeitsplätzen kann ich mir vorstellen, dass Coworking ein interessantes Thema ist, vorausgesetzt es handelt sich um einen reinen Bürobetrieb. Vorteil des Coworkings gegenüber länger bindenden Mietverträgen: Man ist beweglicher und kann jederzeit aussteigen.

Bei Großunternehmen gibt es schon große Veränderungen wie mit dem sogenannten Smart Working. Allerdings kann man die Ergebnisse nicht klar messen. Wichtig ist, dass solche Konzepte den neuen Spirit einer Firma verkörpern und die Mitarbeiter für diese Veränderungen bereit sind.

Wie wirkt sich das wiederum auf die Unternehmen der Branche aus?

Innovation ist angesagt, sich den neuen Anforderungen stellen. Leider mussten wir in den letzten Jahren feststellen, dass durch Desk-Sharing, Home-Working und digitale Ablage von Akten ein sehr großer Teil der Behältnisse wie Schränke nicht mehr gebraucht wird. Damit erzielten wir früher einen großen Anteil unseres Umsatzes.

Die Konsequenz? Der Umsatz der Branche ist trotz wachsender Anzahl an Büroarbeitern auf den des Jahres 2007 zurückgefallen. Im Prinzip stagniert er.

1968 haben Sie die Denz AG gegründet und 36 Jahre geführt. Was waren Ihre Erfolg(srezepte)?

Innovation, CI und ein gutes Produktdesign. Eine Perfektion und Rationalität in unseren Abläufen. Ganz wichtig: motivierte Mitarbeiter sowie das professionelle Eingehen auf Kundenwünsche.

Sie stellen Ihr Wissen der Fachwelt gut aufbereitet auf Ihren Webseiten bueroszene.ch und officebase.ch zur Verfügung. Haben Sie alle Ihre Ziele erreicht?

Die Branche liegt mir am Herzen und ich habe immer mit viel Freude Büros eingerichtet, Produkte entwickelt, Events durchgeführt und mithilfe von EDV rationalisiert. Ich wollte meinen Kollegen etwas zurückgeben.

Mit dem Portal bueroszene.ch konnte ich mich dafür einsetzen, dass die Branche ein Gesicht und eine Plattform erhält und den Austausch pflegen kann.

Mit Menschen etwas Neues zu gestalten, hat mich immer fasziniert. Es hat sich so gefügt, dass ich mit einem jungen Team bueroszene.ch und das Portal officebase.ch aufbauen konnte. Dabei standen Kundennähe und die effiziente Nutzung durch Einkäufer und Planer im Vordergrund. Nach der Schweiz baten mich dann deutsche Kollegen, das Konzept auf Deutschland und Österreich auszuweiten. Heute findet man auf officebase.info landesspezifische Produkte und Informationen der Büroeinrichtungsbranche – auch für Deutschland und Österreich.

In den nächsten zwei Jahren erfolgt die Übergabe an meinen Vorstand. Danach widme ich mich nur noch officebase. Die Denz Design GmbH und unser Team betreiben weiterhin das Sekretariat für bueroszene.ch sowie officebase.

Berichten Sie uns von den wichtigsten Stationen Ihres Berufslebens, Ihrem Werdegang.

Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in Deutschland im Verkauf übernahm ich mit nur 22 Jahren die Vertretungen der deutschen Hersteller WEKO, Riefler, Zeichenanlagen und Hund-Büromöbel. 1970 folgte dann der Umzug vom Privatbüro in moderne Ausstellungsräume in der Nähe des Hauptbahnhofs Zürich. Mir war klar, dass ein eigener Verkaufsstandort im wirtschaftlichen Zentrum der Schweiz hilft, sich mit deutschen Produkten gegen die Schweizer Konkurrenz durchsetzen zu können. Während der Ölkrise 1975 übernahm ich die Vertretung von Alex Linder mit Lösungen für Bankeinrichtungen.

Ein Jahr später entstand Rondoswiss-Data und wir begannen mit der eigenen Produktion in der Schweiz. Eine langjährige gute Zusammenarbeit begann 1984. Wir hatten zusammen mit der Schule für Gestaltung einen Wettbewerb organisiert, den das Designer-Ehepaar Greutmann-Bolzern gewann. Ab da entwickelten sie mit uns die Programme ‚Cre-Activ‘, ‚Prodomo‘, ‚Easy‘ und später das Modulsystem ‚D3‘. Zudem waren sie federführend für die Gestaltung des Design-Centers in Nänikon und unsere Ausstellungen und Präsentationen zuständig.

Teil unseres Erfolgs war das Assembling-Verfahren, bei dem wir den Auf-und-ab-Zyklen der Nachfrage gerecht werden, Produktionskosten gering halten und schnell auf die zahlreichen Kundenwünsche reagieren konnten. Die neu eingeführte CAD-Planung, die rationelle Fertigung sowie ein EDV-System ermöglichten ab 1986 eine zuverlässige, pünktliche Lieferung. Weitere schöne Highlights fanden in unserem Büro-Design Center mit Produktions- und Ausstellungsräumen in Nänikon statt. Ab 1993 organisierten wir Ausstellungen in einer dafür konzipierten 8 m breiten und 100 m langen Galerie. Mit Projekten und Vorträgen von Norman Foster, Grimshaw, New York Five und vielen mehr.

Warum zogen Sie sich 2004 mit dem Verkauf Ihrer Anteile der Denz AG komplett aus dem Geschäft zurück?

Vom Einstieg der Lista-Office Group 1995 bei Denz erhofften wir uns, mit deren Verkaufsorganisation unseren Direktverkaufsradius von Zürich zu vergrößern. Bis dato hatten wir rund 65 Prozent der Umsätze als größtes Unternehmen in diesem Gebiet im Direktverkauf erzielt. Mit dem Verkauf des Modulsystems ‚D3‘ konnten wir tatsächlich hohe Gewinne erzielen. Nach diesem Erfolg wollte ich Denz international weiterentwickeln, mit großen Designernamen und neuen Produkten. Doch Lista-Office hatte andere Vorstellungen und wollte seine Investitionen mehr auf den Schweizer Markt und seine eigene Marke konzentrieren. Somit entschied ich mich zusammen mit meiner Frau, in dieser erfolgreichen Phase des Unternehmens auszusteigen.


Albert Denz

Geboren am 26. Juni 1945 in Zürich. Kaufmännische Ausbildung. 1968 Gründung der Denz AG, die er 1995 an die Lista Office Group verkaufte. Denz verlässt das Unternehmen 2004. Seitdem ist er Präsident des Schweizerischen Büroeinrichtungsverbands. Aufbau von bueroszene.ch und buerowissen.ch sowie Gründung von officebase.ch, 2007.

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