Eindrücke von der Workplace 3.0

Wenig Neues

„Workplace 3.0“. Das weckt Erwartungen mit Blick auf neue Formen des Arbeitens. Allein mit der Präsentation neuer Büromöbel ist es nicht getan. Die Mailänder Messegesellschaft muss sich noch einiges einfallen lassen, damit der Anspruch künftig stärker mit Leben gefüllt wird.

Autorin Gabriele Benitz

Alle zwei Jahre findet zeitgleich mit dem Salone del Mobile die Büromöbelausstellung in Mailand statt. So auch in diesem Jahr. Bisher lief die Show unter dem Namen „Ufficio“. Doch nun hatte die Mailänder Messegesellschaft auf den Namen „Workplace 3.0“ umgeswitcht. Damit wollte sie wohl der Ausstellung einen globaleren Touch verpassen und sich zugleich an trendige Begriffe anhängen, die für die digitale Bürowelt stehen.
Mit dem Namen allein ist es jedoch nicht getan. Denn digitale Anklänge waren in den Hallen 22 und 24 nur wenige zu entdecken. Konferenztische und solche für spontane Treffen mit jedweder Verkabelung und Internet-Zugang gab es an etlichen Ständen. Schön, aber nicht wirklich neu. Immerhin, die meisten Hersteller haben solche Ausstattungen im Programm und sie werden unauffällig in die Möbel integriert.
Ansonsten viel Holz und edle Ausstattungen – zumindest für die Chefmöbel. Überhaupt scheint es in unsicheren Zeiten eine Rückkehr zu natürlichen Materialien zu geben, die für Tradition und Naturnähe stehen. Das ließ sich nicht nur bei den Möbeln insgesamt, sondern auch bei den Office-Produkten feststellen. So zeigte etwa Fantoni mit „Woods“ ein Tischsystem mit Holzbeinen und wahlweise hölzernen Tischplatten. Estel setzt mit dem Coworking-Tisch „Baobab“ nicht nur auf Holz, sondern erinnert mit dem zentralen, konischen Pfeiler in der Mitte des Tischs an einen Baumstamm. Etliche Hersteller von schallgedämmten Kuben für Besprechungen und konzentriertes Arbeiten zeigten ihre neuesten Kollektionen gern mit Rahmenkonstruktionen aus Holz.
Auch das Thema „Recycling“ ließ sich an manchem Stand entdecken. Beispielsweise bei Officine Tamborrino mit dem Stuhl „No Smoking“. Er besteht aus einer Stahlplatte und recyceltem Papier. Dazu wird eine Papiermischung zu einer Gußform verarbeitet, die wie Zement wirkt. Sie bildet die „Haut“ des Stuhls. Interessant auch, was man aus gebrauchten Skateboards machen kann. Tischplatten zum Beispiel. Der niederländische Designer Danilo Nedic präsentierte sie am Stand von Focused.
Es gab also durchaus interessante Produkte in den Hallen 22 und 24 zu entdecken. Bedauerlicherweise waren dort im Vergleich zu den anderen Hallen nur wenige Besucher anzutreffen. Was vielleicht auch daran lag, dass viele Hersteller nur für den heimischen Markt produzieren. Für internationales Renommée stehen höchstens zehn der ausstellenden italienischen Unternehmen. Aus dem Ausland fanden sich dagegen nur wenige Firmen ein. Offenbar hat die „Workplace 3.0“ vor allem Strahlkraft in Italien.
Das konnte auch die von Cristiana Cutrona kuratierte Sonderausstellung „A Joyful Sense at Work“ nicht wettmachen. In den vier Pavillons kreisten verschiedene Installationen um das Thema „Neues Arbeiten“. Allerdings erschlossen sich die Themen der Pavillons nicht von allein. Man musste sich schon die Zeit nehmen, die Erläuterungen zu lesen. Das wollte sicher nicht jeder auf sich nehmen. Vielleicht gibt es in zwei Jahren eine passendere Sonderausstellung, die aus sich selbst heraus verständlich wird.
Mehr Infos über die „Workplace 3.0“ aus diesem Jahr unter www.salonemilano.it/en/manifestazioni/workplace-3–0.html