Umnutzung eines Industrieareals in Mailand

Base Milano

Ein junges Kulturzentrum von einer und für eine Generation, die auf Kreativität und Sharing Economy setzt. Base Milano ist in einem ehemaligen Industriegebäude in der Zona Tortona zu Hause. Mit Coworking und Hostel, für Events und Fortbildungen.

Autorin Cecilia Fabiani

Das Ex Ansaldo, ein stattliches Industrieensemble aus dem Jahr 1904, belegt einen ganzen Häuserblock. Mitten in der Stadt befindet es sich in der gentrifizierten Zona Tortona, einem der angesagten Viertel, das den Besuchern der Mailänder Möbelmesse seit Jahren als Eventquartier geläufig ist. Wo einst eine Stahlfabrik und Büros untergebracht waren, haben heute Kulturinstitutionen wie das Museum Mudec von David Chipperfield oder die Bühnen- und Kostümwerkstatt der Scala ihren Sitz; demnächst folgt die Marionettencompagnie Carlo Colla. Auch ‚Base‘ zählt dazu, seit April 2015, ein junges Kulturzentrum im Aufbau. Eventlocations, Coworking, Bar-Restaurant und sogar ein Hostel sind bereits in Betrieb, die Anlage 24 Stunden – 7 Tage geöffnet.

Das gewaltige Ensemble gehört der Stadt und lange stand seine Nutzung zur Debatte. „Erst die Besetzung eines leerstehenden Hochhauses im Jahr 2012 veranlasste die Stadtverwaltung, ihre eigenen Leerstände einer Nutzung zuzuführen“, erläutert Nicolò Bini, der Leiter von Base Milano. Ein langwieriger Prozess, der 2015 in einem ersten Wettbewerb für einen mit einer Nutzungsdauer von zwölf Jahren definierten Teilbereich des Ex Ansaldo mündete, den langen Gebäudetrakt ‚Stecca‘. Das Projekt ‚Base‘ überzeugte und wurde mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Im August 2015 begannen die Umbauarbeiten, im April 2016 folgte die Eröffnung.

Was zeichnet das Konzept aus? ‚Base‘ meint in vielen Sprachen Basis, Standort – ein bewusst weit gefasster Begriff also. Als Mitglied des European Creative Hubs Network, versteht sich ‚Base‘ als Zentrum für kulturelle Innovation, als Ort, der offen ist für die Stadt und ihre Bürger.

‚Base‘ meint basis, Standort

Die Eingangsebene empfängt mit einer lang gestreckten Veranstaltungshalle samt Bar und Restaurant. Hier finden Konzerte oder Vorträge statt. In der ersten Etage ist ein Hostel untergebracht: zehn günstige Zwei- bis Vierbettzimmer mit und ohne Bad, daneben ein weiterer großer Ausstellungsraum, der zoniert werden kann. Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Räumlichkeiten für Coworking. Hier arbeitet unter anderem das Team von Wikimedia, führt die Cariplo Factory ihre Fortbildungen durch, haben Start-ups, die unter anderem Musikevents und Theateraufführungen organisieren, ihre Büros.

Coworking nimmt einen wichtigen Teil von ‚Base‘ ein und auch die 6000 m², die ab 2018 dazukommen, sind überwiegend der gemeinschaftlichen Nutzung von Büroflächen gewidmet. Bei ‚Base‘ kann man einen Arbeitstisch für zwei Stunden, tageweise, halb- oder ganzjährig mieten. Das Areal wird gut angenommen. Mehr als 400 000 Besucher kommen zu den rund 400 Veranstaltungen pro Jahr.

Coworking im Zentrum

Der sensibel mit dem Charme des Industrieareals spielende Entwurf stammt vom Architekturbüro Onsite- Studio und Stella Orsini plante das Interiordesign, gemeinsam mit h+: Naturmaterialien, Vintage-Möbel, teils original, teils modifiziert beziehungsweise von den Designern Leftover und Mezzo Atelier entworfen und von Hand gefertigt. Aber auch Serienprodukte wurden eingesetzt, unter anderem von Vitra und Artek. Das Farbkonzept ist zurückhaltend und nur im Hostelbereich akzentuiert. ‚Base‘ ist eine aus fünf Gesellschaften entstandene NPO (Non-Profit Organisation) und zählt heute bereits elf feste Mitarbeiter. Ein kreatives Standortmodell, not for Milano only.

Weitere Projekte finden Sie hier


Angelo Lunati (links), Giancarlo Floridi, die Eigentümer von Onsite-Studio, Mailand/Italien.

Gründungsjahr: 2008

Mitarbeiter: 10–20

Arbeitsgebiete: Büros, Corporate Architecture und Wohnhäuser, Forschung, Lehre

www.onsitestudio.it


Factsheet

Projekt: Base Milano (Cultural Centre), www.base.milano.it/en

Standort: Mailand, Stadtteil Tortona

Bauherr: Oxa srl

Eigentümerin: Comune di Milano

Bauaufgabe: Sanierung

Baubeginn: Sommer 2015

Fertigstellung: Sommer 2016

Geschosse: 3

Geschossfläche: 6000 m² plus weitere 6000 m² bis 2018

Materialien (Decke, Wand, Boden): Ziegel (Petersen), Beton, Kemmlit-Trennwände, verzinkter Stahl, Betonfliesen, Parkett Durmast

Leuchten: Viabizzuno, Zumtobel

Sanitär: Geberit and Pozzi Ginori