Mike Herud ist geschäftsführender Partner bei Scope Architekten. Foto: privat
Interview mit Scope Architekten

Mike Herud

Die Neugestaltung des Ausbildungszentrums war nicht das erste Projekt mit SAP für die Scope-Architekten. Im Interview erklärt Mike Herud, welche Vorzüge die Zusammenarbeit mit dem Software-Hersteller hat und warum ein Büro wie eine Stadt funktionieren sollte.

Interview Markus Strehlitz

Mensch&Büro: Herr Herud, Sie hatten bereits Erfahrungen mit SAP als Kunden. Was ist das Besondere an den Projekten mit der IT-Company aus Walldorf?

Mike Herud: Zum einen machen sich die Verantwortlichen bei SAP viele Gedanken darüber, wie Menschen arbeiten sollen. Zum anderen erhält man als Architekt viele Freiheiten, was nicht selbstverständlich ist für ein DAX-Unternehmen. Man kann eine konzeptionelle Idee gestalterisch auch entsprechend ausformulieren.
Wie gehen Sie bei Ihren Projekten vor?
Wir bekommen von SAP fast nie ein Raumkonzept vorgelegt, sondern nehmen nur auf, was gewünscht wird – also wofür die Räume genutzt werden und welche Zielgruppen zusammenarbeiten sollen. Dann erarbeiten wir ein Flächen-Layout als Diagramm. Anschließend gehen wir in den Grundriss und arbeiten das gesamte Thema weiter aus.
Was waren die Anforderungen bei der Neugestaltung des Ausbildungszentrums?
Arbeiten wird immer agiler und flexibler. Dem sollte Rechnung getragen werden. Es ging darum, Flächen für Kommunikation und Begegnung zu schaffen und diese mit der Arbeitsumgebung zu verknüpfen. Die Räume sollten vielfältiger genutzt werden können. Teams unterschiedlicher Größe sollten sich dort zusammenfinden können und miteinander arbeiten.
Sie haben bei diesem Projekt nach eigenen Worten einen partizipatorischen Ansatz verfolgt – also im Vorfeld gemeinsame Workshops mit den SAP-Auszubildenden durchgeführt. Warum?
Wir sprechen in unseren Projekten immer mit den Nutzern. Das war in diesem Fall zunächst die Ausbildungsleitung, die ihre Vorstellungen einbrachte, wie die Räume auszustatten sind. Damit die Fläche aber eine möglichst große Akzeptanz findet, war es uns wichtig, die Auszubildenden in den Gestaltungsprozess einzubeziehen. Daher haben wir in Workshops versucht, die Kernthemen zu identifizieren, die die Auszubildenden umtreiben. Auf Grundlage dieser thematischen Schwerpunkte haben wir dann das Grafikkonzept entwickelt, das sich durch die gesamte Fläche zieht.
Ein Büro sollte wie eine Stadt funktionieren. Was meinen Sie damit?
Wir sind der Auffassung, dass ein gutes Büro heutzutage die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten ausmacht, die es bietet. Räume sollten möglichst vielfältig und unterschiedlich sein – in der architektonischen Ausformulierung, aber auch in der Nutzbarkeit. Und das ist auch das, was eine Stadt oder ein urbanes Umfeld attraktiv macht. Dass man eine Vielzahl an Möglichkeiten hat, die man wahrnehmen kann – zum Beispiel kulturell oder kulinarisch. Diese Vielfältigkeit versuchen wir, auch in unseren Projekten zu verwirklichen.

Zur Person

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Mike Herud ist geschäftsführender Partner bei Scope Architekten. Seine Ausbildung erhielt er in Kaiserslautern. Danach folgte eine Mitarbeit bei UN-Studio in Stuttgart. Zudem war er leitender Architekt bei Prof. W. Kergaßner in Stuttgart, bevor er 2010 zusammen mit Oliver Kettenhofen Scope Architekten gründete. Das interdisziplinäre Büro für Architektur, Innenarchitektur und Design sieht seinen inhaltlichen Schwerpunkt im Bereich der Corporate Architecture.