iafob-deutschland-Jahrestagung

Arbeitswelt der Zukunft

Wie sollte Arbeit zukünftig gestaltet sein, um den Anforderungen von „New Work“ gerecht zu werden? Und wie sollte Führung neu gedacht und konzipiert werden, um sich wandelnde Arbeitskonzepte bestmöglich zu unterstützen? Diese und weitere Fragen diskutierten mehr als 70 Führungskräfte und Entscheider am 22. November in Bern bei der Jahrestagung des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob Deutschland). Motto der Veranstaltung: „Deep Work & Cowork – Die neue Lust am Arbeiten“.

„Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Mitarbeitenden bestmöglich in die Arbeitswelt der Zukunft zu führen. Wir freuen uns, dass die iafob-deutschland-Jahrestagung Denkanstöße dafür geben und Hilfestellung leisten kann“, so Dieter Boch, Geschäftsführer des iafob deutschland und Initiator der Jahrestagung. „Der persönliche Austausch mit angesehenen Arbeits- und Leadership-Experten, Gründern, preisgekrönten Architekten und Wissenschaftlern hat die Teilnehmer inspiriert und neue Impulse für die tägliche Arbeit geliefert.“

Leadership in Zeiten des Wandels

Prof. Dr. Heike Bruch, Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen und eine der „Top 100“-Frauen in der Schweiz hob in Ihrem Vortrag die wichtige Rolle der Führung in Zeiten des Wandels hervor: „Durch alle Branchen hinweg befinden sich Unternehmen in einer fundamentalen Neuausrichtung. Führungsstärke, Unternehmenskultur und eine kraftvolle Vision, mit der sich Mitarbeitende identifizieren können, sind wesentliche Erfolgsfaktoren für die digitale Transformation.“

Die Leadership-Expertin betonte: „Die ‚Arbeitswelt der Zukunft‘ ist nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Wir sind bereits mittendrin. Dennoch ist nur eine Minderheit der Unternehmen wirklich bereits darauf vorbereitet.“

Wie Führung in einer offenen Arbeitswelt gelingen kann, brachte Sevira P. Landsberg den Teilnehmern in mehreren Workshops näher. Die von FOCUS und XING als „Top Coach 2016“ ausgezeichnete Leadership-Trainerin und ehemalige Profi-Tänzerin erklärte mit Hilfe der Metapher des Tanzens, wie der Umgang von Führungskräften und Mitarbeitenden gestaltet sein sollte.

Relevanz von Deep Work

Prof. Hartmut Schulze, Leiter des Instituts für Kooperationsforschung und -entwicklung an der Fachhochschule Nordwestschweiz, unterstrich die Relevanz des wiederentdeckten Arbeitsmodus „Deep Work“. „Unterbrechungsfreies, konzentriertes Arbeiten ist der Schlüssel zu tiefgehenden kreativen Gedanken. Durch das gestiegene Tempo in der digitalen Welt erreichen wir ihn aber kaum noch, ohne uns diszipliniert zurückzuziehen. Wir dürfen diesen Zustand jedoch nicht vernachlässigen, sondern müssen Räume und Gelegenheiten schaffen, die Deep Work begünstigen.“

Wie Mitarbeitende mit den komplexen Anforderungen in der neuen Arbeitswelt und dem „Immer und Überall“-Verfügbarsein umgehen können, erklärte Prof. Thomas Rigotti, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz: „Jeder vierte Arbeitnehmer verzichtet auf Pausen, jeder dritte schöpft seinen Urlaubsanspruch nicht aus. Der Einsatz moderner Technik verspricht uns zwar Zeitersparnis, raubt uns aber die Zeit“. Umso wichtiger seien Pausen, die in den Alltag integriert werden sollten, um Körper und Biosystem leistungsfähig zu erhalten. „Man muss Räume und Zeiten finden, um abzuschalten, Neues zu erlernen und Sinnstiftendes zu tun.“

Coworking – Best Cases

Ein Highlight der Tagung bildete die Live-Performance des Serial Entrepreneur und Mitgründer der Effinger Kaffeebar und Coworking Space in Bern, Matthias Tobler. Gemeinsam mit Tänzern, Künstlern und einem Videografen aus der Coworking-Gemeinschaft stellte Tobler die Community- und Kulturentwicklung im Effinger in Form einer einzigartigen Story-Performance untermalt von Tanz-, Film- und Musikeinlagen dar.

Aus der Praxis einer Coworking-Community berichtete auch Jonas Lindemann, Mitgründer und Geschäftsführer des Hafven in Hannover, einer etwa 1.300-köpfigen Gemeinschaft, die Coworking- und Makerspaces, Acceleratoren und diverse Innovationsprogramme betreibt. Seine Aufforderung für die Zukunft der Arbeit: „Einfach machen! Denn ich glaube, dass in ganz Vielen der Geist eines Entrepreneurs schlummert.“

Wie die Arbeitswelt der Zukunft aussieht

Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor der neuen Arbeitswelt sind Büroräumlichkeiten. Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter der Designfunktion-Gruppe, gab den Teilnehmern spannende Einblicke in die Studie „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“, die Designfunktion gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO durchgeführt hatte. Ein wesentliches Ergebnis: Das Multispace-Büro zählt aufgrund seiner Variabilität und der Möglichkeit, Coworking und Deep Work auf einer Fläche miteinander zu verbinden, zur bevorzugten Büroform der Zukunft.

Den praktischen Blick auf die Gestaltung zukunftsweisender Büroräumlichkeiten bot die mehrfach prämierte Innenarchitektin Dina Andersen, Gründerin und Inhaberin von D’NA Unique Corporate Spaces. In mehreren Workshops brachte sie den Teilnehmern näher, wie Raumkonzepte entstehen und warum Unternehmenskultur und Architektur Hand in Hand gehen sollten.

Fazit der iafob-deutschland-Jahrestagung

Wir befinden uns bereits mittendrin in der Arbeitswelt der Zukunft. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, die fortschreitende Digitalisierung und die daraus entstehende Transformation für die Mitarbeitenden bestmöglich zu begleiten. Erfolgsfaktoren hierfür sind eine ausgeprägte Unternehmenskultur, gepaart mit einem starken Zukunftsbild, an dem sich Arbeitnehmer orientieren können. Der Mensch und seine Bedürfnisse sollten wieder stärker in den Fokus rücken. Hierzu gehören auch die passenden Büroräumlichkeiten: Nur wenn Mitarbeitende zwischen Austausch und Konzentration, zwischen technikfokussierter und technikfreier Arbeit, zwischen Coworking und Deep Work wechseln können, entstehen Innovation und bestmögliche Ergebnisse.

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