Joachim Link, Geschäftsführender Gesellschafter der Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG | Foto: Interstuhl
Interstuhl

Kritik an Übernahme

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Warum erhält der lokale Hersteller Interstuhl trotz vergleichbarem, eher besserem Angebot nicht den Zuschlag für Rolf Benz anstelle chinesischer Investoren? Noch kein „Closing“ – Restchance für Interstuhl? Interstuhl bemängelt Verkaufsprozess und generelle Handhabung solcher Vorgänge.

Seit Oktober 2017 haben wir uns im Verkaufsprozess um Rolf Benz engagiert. Mit großem Aufwand haben wir die notwendigen Due Dilligences sowie die Finanzierung mit lokalen Banken vorbereitet und durchgeführt und sind abschlussbereit.

Die Synergien zwischen unserem Unternehmen Interstuhl und dem Unternehmen Rolf Benz wären extrem hoch – aufgrund der komplementären Produkte, Vertriebsschienen und Märkte und der großen Synergien im operativen Bereich, nicht zuletzt wegen der räumlichen Nähe.

Verkäufer ist die Hülsta-Gruppe mit einer Tochterfirma der Hüls AG & Co. KG, nämlich der LoCom GmbH& Co. KG aus Stadtlohn (Nordrhein-Westfalen) mit dem mehrheitsstimmberechtigten Inhaber Ludwig Hüls. Beauftragt mit dem Verkaufsprozess ist der ehemalige Hülsta-Geschäftsführer Dr. Matthias Becker.

Unser Angebot mit einem EBITDA multiple von rund 12 liegt auch für die Branche extrem hoch. Doch obwohl dieses Angebot unseres Wissens nach eher besser lag als das, des nun offenbar zum Zug kommenden chinesischen Polsterriesen Kuka Investment und Management (Tochtergesellschaft der Jason Furniture), haben wir unverständlicherweise den Zuschlag nicht erhalten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das für die Firma Rolf Benz, für Süddeutschland und für die Möbelbranche insgesamt eine große Veränderung darstellt, die sich unter anderem in folgenden Punkten negativ auswirken wird:
-              Gefahr des massiven Abbaus von Arbeitsplätzen am Standort Nagold. Denn Kuka hat selbst eine große Produktion in China und ist hauptsächlich an der Vertriebsorganisation und Marke interessiert.

-              Kuka wird seine in China produzierten Möbel in Deutschland und Europa platzieren und damit Marktanteile von lokalen Herstellern übernehmen. Oft sind diese Möbelexporte vom chinesischen Staat subventioniert. Dies schadet der ohnehin angeschlagenen Möbelindustrie immens.

-              Ein familiengeführtes Unternehmen fällt so in staatlich gelenkte Konzernhände– mit unabsehbaren Folgen für Mitarbeiter, Managementführung und Unternehmenskultur.

Ich habe mich deshalb entschieden mich direkt an die Politik und Presse zu wenden und vielleicht noch rechtzeitig öffentlich zu intervenieren. Denn noch gibt es kein Closing, und damit ist das Bieterverfahren noch nicht abgeschlossen. Bleibt also eine Rest-Chance, hier doch noch etwas zum Guten zu wenden.

Warum ist mir das so wichtig?

Die regionalen, überregionalen und staatlichen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands sind durch solche Zukäufe mittelfristig gefährdet. Wir sollten nicht überall zusehen, wie chinesische Firmen mit staatlicher Lenkung und stattlicher Unterstützung, Schlüsselfirmen verschiedener Branchen in Deutschland und Europa aufkaufen. Das findet in der Automobilbranche – jüngstes Beispiel ist das chinesische Invest bei Mercedes Benz – genauso statt, wie in der Möbelindustrie.

Mir fehlt das Verantwortungsbewusstsein der Entscheidungsträger in diesem Fall, dazu gehört die Familie Hüls ebenso, wie Banken und sonstige Einflussträger. Ich bin überzeugt davon, dass Hülsta sich mittelfristig selbst enorm schaden und den eigenen Wettbewerb in Deutschland und Europa mit aufbauen wird.

Uns als gesundem Familienunternehmen Interstuhl bleibt nun – da es eben noch kein Closing gegeben hat – nur die leise Hoffnung, dass durch politischen Einfluss doch noch eine Wende in diesem schädlichen Bieterprozess herbeigeführt werden kann. Interstuhl ist auf jeden Fall nach wie vor bereit, den Deal abzuschließen und damit Verantwortung für die Region, die Branche, die Fa. Rolf Benz zu übernehmen.

Ich danke schon jetzt allen engagierten Unterstützern und grüße Sie herzlich, aus Meßstetten-Tieringen, Joachim Link (Geschäftsführender Gesellschafter der Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG)

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