Orgatec 2018

Progressiv und emotional

Das Konzept für das Branchen-Großereignis der Büromöbelwelt vom 23. bis 27. Oktober 2018 wurde von der Koelnmesse auf der Europäischen Fachpressekonferenz in Amsterdam vorgestellt. Dazu vorab exklusiv die Ergebnisse der Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zum Thema „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“.

Autorin Susanne Tamborini-Liebenberg

Die Orgatec 2018 verspricht Inspiration, Provokation und Diskussion für die Büromöbelbranche. Und sie verspricht interessante Angebote für Architekten und Planer. „Darf eine bedeutende Businessplattform wie die Orgatec emotional sein und polarisieren?“, fragte Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelnmesse GmbH, zum Auftakt der europäischen Fachpressekonferenz im ADAM Tower, Amsterdam, und lieferte die Antwort gleich mit. Sie dürfe nicht nur, sie müsse sogar: „Eine international führende Messe sollte die Fachbesucher inspirieren, kontroverse Ansätze aufgreifen und aktiv zur Branchendiskussion beitragen“.

Der bereits 2016 eingeläutete Richtungswechsel, das Format der Orgatec zu einem lebendigen Spiegelbild der sich ändernden Büro- und Arbeitswelten zu entwickeln, findet offenbar 2018 eine konsequente Fortführung. Auch die Zahlen entwickeln sich positiv: ein Plus von acht Prozent Ausstellungsfläche, dazu sechs Prozent mehr Aussteller als zum vergleichbaren Zeitpunkt 2016. „Die Orgatec 2018 wird größer und internationaler“, analysiert Katharina C. Hamma die Indikatoren.

Arbeit neu denken

Herzstück in Köln wird die Halle 10.1 sein. Dort sollen mit der Eventfläche „Plant 10.1“ sieben Erlebnis-Szenarien zu kreativen Arbeitsformen entstehen, an denen die Messe derzeit mit dem Consultingunternehmen detecon, der Kreativagentur Orange Council und internationalen Künstlern arbeitet. Es geht der Messe darum, unter dem diesjährigen Motto „culture@work“ die Grenzen der Unternehmens- und Innovationskultur auszureizen und „auch zu überschreiten“, so Hamma. Nicht zum künstlerischen Selbstzweck, wie sie kritisch anmerkt, sondern um den Umsatz zu steigern, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu verbessern und die mediale Außenwirkung positiv zu beeinflussen. Das Team hinter „Plant 10.1“ berät und unterstützt seit langem das Change-Management von Unternehmen mit künstlerischen Rauminterventionen und begleitendem Storytelling, unter anderem die Robert Bosch GmbH, SAP, Innogy oder die Telekom.

Ein ambitioniertes Event- und Kongressprogramm ergänzt die Fachmesse, die ganz unter dem Motto steht: „Arbeit neu denken“. So werden auf der Eventfläche „SmartOffice & Conferencing“ Hightechprodukte unter realen Bedingungen einem Alltagstest unterzogen. Die Sonderfläche „Culture Materials“ steht den Material-Aficionados offen. Eine Kongress- und Ausstellungs-Kooperation mit architectureworld und dem Deutschen Hoteltag richtet sich speziell an Architekten, Planer, Ingenieure und Multiplikatoren am Bau. Weitere Impulse versprechen die XING New Work Sessions oder die ZEIT-Konferenz „Work & Style“. Man darf also gespannt sein!

Auch Holger Jahnke stellte fest, dass es für die Büromöbelindustrie nicht mehr genüge, Produkte zu entwickeln und diese auf der Orgatec einfach nur vorzustellen. „Wir müssen neue Kooperationen finden“, fordert der stellvertretende Vorsitzende des IBA (Industrieverband Büro- und Arbeitswelt e.V.). Seine Gedanken gehen Richtung digitale Kollaborationsplattformen. „Die Büromöbel werden smarter. Ihre Nutzungsdauer von derzeit durchschnittlich 15 Jahren wird sich verringern“. Jahnke verweist auf die Smart Devices. „Ein Smartphone wechseln wir im Schnitt alle fünf Jahre“.

Wanted: Arbeitsumgebung nach Wahl

Dem von der Messeleitung demonstrierten Willen zur progressiven Erneuerung der Orgatec entsprach auch das Format der Europäischen Pressekonferenz. Erstmals wurde die Informationsplattform für die Journalisten genutzt, um nicht nur Zahlen und Konzepte der Orgatec zu kommunizieren, sondern auch ein Thema zu transportieren, das anschließend auf dem Podium von Fachleuten mit den Journalisten diskutiert wurde: „Wie und wie gut unterstützen Büro- und Arbeitswelten Unternehmen und ihre damit verbundenen Ziele?“ Diese wesentliche Fragestellung für die Arbeitsorganisation war im Rahmen einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der Designfunktion Gruppe untersucht worden. Auf der Pressekonferenz wurden die Ergebnisse der Studie mit dem Titel „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“ von Udo-Ernst Haner vom IAO erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Die Befragung von mehr als 1000 Fachbeauftragten für Büro- und Arbeitswelt macht deutlich, dass die Modernisierung der Arbeitsorganisation meist als zu langsam empfunden wird“. Das ist insofern interessant, als die befragten Geschäftsleitungen das Modernisierungstempo weder als zu schnell oder zu langsam, sondern als genau richtig einschätzen.

Mix ist ein Win-Win-Effekt

Haner führte aus, dass sich das „Multispace“-Office zur dominanten Büroform der Zukunft entwickeln wird. Das bedeutet, es bedarf einer gewissen Bandbreite an Raumoptionen. Dieser Mix aus unterschiedlichen Büroformen kann von den Mitarbeitern flexibel genutzt werden, was sich am Ende positiv unter anderem auf Arbeitgeberattraktivität, Zusammenarbeit und Selbstbestimmung auswirkt. Ein echter Win-Win-Effekt also.

Am Ende seiner Ausführungen ließ Haner die Frage offen, „ob es die Arbeitnehmer sind, die neue Arbeitsformen leben, und dadurch Veränderungen des Arbeitsumfelds beeinflussen oder ob es vielmehr umgekehrt ist“. Stattdessen fordert er dazu auf, „Bewusstsein auf Geschäftsführungsebene zu schaffen, um im Unternehmen Wahrnehmungsunterschiede zu diskutieren und auszugleichen“ und übergab das Thema zur Diskussion an die Podiumsteilnehmer.

IAO-Studio wichtige Basis

Dort bewertete Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter der Designfunktion Gruppe, die IAO-Studie „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“ als wichtige Basis für die eigene Arbeit „Sie hilft uns Planern, Entwicklern und Einrichtern Veränderungen zu erkennen und uns entsprechend strategisch richtig aufzustellen“.

(Die Studie wird bis Juli 2018 bundesweit in einer gleichnamigen Kongressreihe präsentiert (www.kongress.designfunktion.de) und auf der Orgatec im Rahmen von Workshops und einer Lounge präsent sein; Anmerkung der Redaktion.)

Auch Randy W. Fisler von der American Society of Interior Designers beklagte für die Planungs- und Designteams im Officebereich einen Mangel an Analyse der zu organisierenden Arbeitsprozesse. „Wir benötigen mehr Forschung und Zeit“.

Wie komplex Büroplanung heute ist und vor welchen Herausforderungen die Branche steht – die Pressekonferenz zur internationalen Leitmesse für Ausstattung und Einrichtung von Büro und Objekt machte es 2018 eindrucksvoll deutlich.

Webseite der Messe

www.iba.online

www.mynewsdesk.de/de/iba-germany

www.iao.fraunhofer.de

www.designfunktion.de

www.kongress.designfunktion.de