Design Thinking: SAP schafft in Walldorf attraktives Arbeitsumfeld

Schulung im Grünen

Picknicklandschaft statt angestaubter Bürowelt – die Architekten von Scope haben das Ausbildungszentrum von SAP an die Bedürfnisse der Digital Natives angepasst. Auf einer parkähnlichen Fläche treffen sich diese nun in den Pausen. Flexible Design Thinking-Räume bieten beste Voraussetzungen für kreative Teamarbeit.

Markus Strehlitz

Standardisierte, graue Büros – so sah ein Großteil des Ausbildungszentrums von SAP früher aus. Das Zentrum ist Teil der Unternehmenszentrale in Walldorf. Für ein globales Unternehmen ist eine Bürowelt aus den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr zeitgemäß. Das gilt erst recht in der ständig von Innovationen getriebenen IT-Branche – und besonders für ein Ausbildungszentrum, in dem mehr als 400 junge Menschen Berufe in den Bereichen Wirtschaft, Informatik oder digitale Medien erlernen. Digitale Natives und graue Standardbüros passen nicht recht zusammen.
„Wir wollten ein attraktives Arbeitsumfeld für junge Talente schaffen – mit Räumlichkeiten nach modernstem Standard, die Zusammenarbeit und Austausch zwischen Studierenden sowie Auszubildenden ermöglichen“, berichtet Sabrina Schöner, die bei SAP den Ausbildungsbereich für Deutschland leitet. Die Auszubildenden befinden sich häufig an den Arbeitsplätzen, an denen sie eingesetzt werden, oder bei den dualen Partnern – also den Hoch- und Berufsschulen. „Für Schulungen oder für Gespräche mit dem Ausbilder kommen sie hierher“, erklärt Schöner. „Das Ausbildungszentrum ist für viele ein Stück Heimat.“
Um die neu zu gestalten, setzte SAP auf die Dienste des Architekturbüros Scope aus Stuttgart. Unter anderem sprach die Erfahrung mit SAP für die Architekten. Für das Software-Unternehmen hatten diese bereits das Innovation-Center in Potsdam entworfen. „Scope weiß, wie wir vorgehen“, sagt Karsten Koch, der bei SAP für das Facility-Management in Deutschland verantwortlich ist. Dazu gehört, dass das Facility-Management zu Beginn eines Projekts Workshops mit den Architekten und den Nutzern durchführt, die später auch in den Räumlichkeiten arbeiten sollen. „Das erscheint zunächst vielleicht etwas mühselig“, so Koch.
Zu Beginn: Workshops
„Aber man versteht die Arbeitsweise und -prozesse der Nutzer besser und schafft Räume, die diese unterstützen und in denen sie sich wohlfühlen, weil sie an der Gestaltung mitgewirkt haben. So entstanden beispielsweise auch Ideen für Grafikelemente, in denen sich die Auszubildenden heute wiederfinden.“
Zudem erhofften sich die Verantwortlichen, dass das Projekt dank der Erfahrung der Architekten in möglichst kurzer Zeit durchgeführt werden konnte. „Es war wichtig, dass wir die Flächen möglichst schnell wieder nutzen konnten“, sagt Koch. Heißt konkret: Für Planung und Umsetzung standen nur wenige Monate zur Verfügung.
Als Basis dienten die Workshops, die zunächst mit SAP-Managern, dann mit den Mitarbeitern der Personalabteilung und schließlich mit den Auszubildenden selbst durchgeführt wurden. „So haben wir Kernthemen herausgearbeitet, die für die Nutzer der Räume, aber auch für SAP generell im Mittelpunkt stehen. Und die lauteten Networking, Globalisierung und Teamwork.“, berichtet Mike Herud vom Architektenbüro Scope.
Die Ergebnisse der Workshops decken sich mit den Erkenntnissen, welche die Architekten bereits aus den anderen SAP-Projekten gewinnen konnten. „Wir haben gelernt, dass Arbeiten immer agiler und flexibler wird. Und dass sich Flächen der Kommunikation und der Begegnung mit der Arbeitsumgebung verknüpfen müssen“, so Herud.
Verknüpfung der Flächen
Um den Austausch zu unterstützen, hat Scope eine Fläche entwickelt, die an eine Picknick-Area erinnert. Diese befindet sich im Mittelpunkt des Ausbildungszentrums, dessen Grundriss dem Buchstaben H entspricht. „Hier schlägt das kommunikative Herz“, sagt Herud.
In der Mitte der offenen Sitzlandschaft steht ein großer Picknicktisch. Daneben laden Sitzplätze, in Stufen angeordnet, zum Verweilen ein. Der grüne Teppich erinnert an Rasen. Er zieht sich weiter über Wände und Decken – unterbrochen von Holzstreben, die wie Tisch und Bänke, aus Birke gefertigt sind. Der Besucher verspürt sofort Lust, sich quasi gleich ins Gras niederzulassen.
„Wir sind der Meinung, dass ein gutes Büro wie eine Stadt funktioniert“, sagt Herud. Daher erinnert der Platz, an dem sich die Auszubildenden von SAP in ihren Pausen oder für Gespräche treffen können, an einen Stadtpark.
Einen Großteil der Innenausbauarbeiten führte das Crottendorfer Tischlerhandwerk aus dem Erzgebirge aus – deren Herkunft allein scheint sie für die Aufgabe zu prädestinieren. „Zu den Stärken der Tischlerfirma zählen eine gute Detailausführung und grundsätzlich ein guter Umgang mit Holz“, sagt Herud.
Möglichkeiten zum Austausch bietet aber nicht nur die Pausen- und Kommunikationsfläche. Wichtiger Teil des Ausbildungszentrums sind auch die Räume für Design Thinking. Hinter dem Begriff versteckt sich ein Denkansatz, der derzeit in vielen Unternehmen auf großes Interesse stößt. Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen kommen zusammen, um ergebnisoffen und mit kreativen Mitteln, Probleme zu lösen oder neue Ideen zu entwickeln.
Die Räume, in denen dies geschieht, müssen die Offenheit und Kreativität bestmöglich unterstützen. „Es muss Gruppenarbeit möglich sein, auch die von mehreren Gruppen gleichzeitig“, erklärt Koch. Außerdem ist eine flexible Einrichtung in den Räumen wichtig, um sie für unterschiedliche Themen passend zu gestalten. „Man benötigt viele beschreibbare Flächen und muss mit verschiedenen Materialien wie Knete oder Styropor arbeiten können“, fährt Koch fort. „Bei Design Thinking geht es schließlich auch darum, Dinge, die im Kopf existieren, nicht nur bildhaft, sondern auch räumlich darzustellen.“
Offenheit zeigt sich im SAP-Ausbildungszentrum unter anderem dadurch, dass die Design Thinking-Räume vom Flur durch eine Glaswand getrennt sind. Man kann die Teams bei ihrer Arbeit beobachten. Die Tische lagern auf Rollen, um den Raum schnell umzugestalten. An den Wänden hängen Whiteboards. „Grundsätzlich kann man Design Thinking in jedem Raum machen“, sagt Koch. „Aber es ist hilfreich, wenn der Raum eine besondere Atmosphäre bietet, die Mitarbeiter inspiriert.“
Für Inspiration sorgen auch optische Elemente. Die weißen Akustiksegel an der Decke sind mit dem Schriftzug „Design Thinking“ in verschiedenen Formen bedruckt. Sie sind Teil eines Konzepts, das im gesamten Zentrum umgesetzt ist. „Auf der Grundlage der drei Themenschwerpunkte aus den Workshops haben wir ein Grafikkonzept entwickelt, das sich durch die gesamte Fläche zieht – zum Beispiel als Sichtschutzelemente an den Glaswänden“, erklärt Herud. Eine Weltgrafik an der Holzverkleidung, auf der unter anderem die Standorte von SAP zu sehen sind, symbolisiert das Thema Globalisierung.
Neben der akustischen Funktion der Deckensegel dienen sie dazu, Revisionsöffnungen zu verbergen – sie lassen sich komplett abklappen.
„Das ist ja immer ein schwieriges Thema“, sagt Koch. „Revisionsklappen sind sind aufgrund der häufigen Benutzung schon nach wenigen Monaten nicht mehr ansehnlich.“ Daher freut er sich, dass die Zugänge zur Technik im SAP-Ausbildungszentrum ins Gesamtbild integriert sind. „Wie wir sehen, ist es möglich, technisch wichtige Dinge wie etwa Revisionsöffnungen oder Lüftungsauslässe, gestalterisch in den Raum zu integrieren.“
Hinter den Deckensegeln verstecken sich auch die Umluftkühlgeräte. Die kalte Luft strömt nun aus vier Schienen. Die Geräte sind dank der Segel nicht zu sehen. Ihr Licht erhalten die Räume durch Linienleuchten, die sich mit den Akustiksegeln abwechseln. „So gehen Akustik- und Beleuchtungskonzept ineinander über“, sagt Herud.
Der Facility-Manager lobt die Arbeit der Architekten unter anderem wegen der gestalterischen Einbindung der Technik. Er nennt aber auch die Übergänge zwischen Boden, Wänden und Decken, die besonders positiv auffallen. „Die Materialien fließen förmlich ineinander“, so Koch, „das ist absolut stimmig.“
Karsten Koch ist mit dem Gesamtergebnis zufrieden. Es sei nicht nur darum gegangen, das Ausbildungszentrum attraktiver zu gestalten. Die gesamte Etage sollte eine neue Struktur erhalten, da vorher alles „sehr zersplittert“ gewesen sei. Bereiche, die aufgrund ihrer Funktionen und Arbeitsabläufe zusammengehören, wurden räumlich zusammengefasst. Zusätzlich gibt es kleinere Rückzugsräume, die sich für persönliche Gespräche eignen.
Außerdem sei durch die Neugestaltung auch eine Entrümpelung möglich geworden, wie Koch es nennt. Stauräume wurden zentralisiert. Büros, die vorher Lagerflächen waren, können jetzt wieder genutzt werden. „Und aus Fluren, die einfach nur groß waren, haben wir kleinere Flure gemacht“, so Koch.
Bei den Nutzern selbst kommt das neue Zentrum gut an. „Mein Team hat sich gefreut, hier einzuziehen“, sagt Ausbildungsleiterin Schöner. Von den Auszubildenden werden die neuen Räumlichkeiten ebenfalls gut angenommen. „Aber auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen verbringen ihre Pausen hier oder nutzen die Räume für Treffen mit Kollegen.“

Fakten
Projekt: Umbau des SAP-Ausbildungszentrums in Walldorf
Standort: Dietmar-Hopp-Allee 14, 69190 Walldorf
Bauherr: SAP SE
Architekten: Scope Architekten, Stuttgart, www.scopeoffice.de
Innenausbau: Crottendorfer Tischlerhandwerk
Akustikplanung: Scope Architekten, Stuttgart
Mobiliar: Tisch System 180, Table DT Line; Miura Barhocker, Farbe Schwarz; Whiteboard, System 180, DT Line; Besprechungstisch Ophelis Q3, Farbe weiß, 180 x 100; Barhocker Punt – Whiskey Taburete; Drehstuhl Vitra Medapal; Schreibtisch Ophelis Q3; Schreibtisch Ophelis CN; Stuhl Vitra Vis a Vis 2; Besprechungstisch Ophelis rund
Anzahl der Arbeitsplätze: 33, 87 Seminarplätze
Nettogrundrissfläche: 905 m²
Planungsbeginn: 03/2015
Fertigstellung: 11/2015
Kosten: Baukosten: 524 000 Euro; Mobiliar: 200 000 Euro; Nebenkosten: 170 000 Euro

Genauer hingeschaut
Zielsetzung: Schaffung eines attraktiven Arbeitsumfelds für junge Auszubildende; geeignete Räumlichkeiten für Design Thinking-Methode
Raumtypen: Kommunikationsfläche, Schulungsräume, Design Thinking- und Workshop-Räume, Büroräume, Micro-Meetings, Lernräume
Akustische Maßnahmen: Akustiksegel
Klimatisierung: Umluftkühlgeräte